Rosige Aussichten für die Nationalratswahlen 2007
06.08.2007
Rosige Aussichten für Grüne und Grünliberale
80 Tage vor den Parlamentswahlen deuten die Umfragen auf deutliche Gewinne für Grüne und Grünliberale. Im jüngsten SRG-Wahlbarometer kommen sie zusammen auf über zwölf Prozent der Wählenden, primär auf Kosten der SP.
Wäre Mitte Juli gewählt worden, so hätte die grösste Partei der Schweiz, die SVP, einen Wähleranteil von 26,2 Prozent erreicht, wie die SRG SSR ideé suisse am Abend mitteilte. Das sind 0,5 Prozent weniger als bei den Wahlen 2003 aber 1,1 Prozent mehr als beim letzten Wahlbarometer im Juni.
Die SP büsst gegenüber 2003 satte 1,7 Prozent ein und kommt neu auf 21,6 Prozent. Gegenüber Juni verliert die SP noch einmal 0,5 Prozent. Das Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage im Juli bei rund 2000 Wahlberechtigten durchführte, konstatiert «gewisse Demobilisierungserscheinungen» bei der SP-Wählerschaft.
Leiser Dämpfer für Grüne
Hauptgrund für das Abbröckeln der SP-Parteistärke sei aber, dass viele SP-Wähler zu den Grünen überlaufen. Die Grünen wären denn auch die grossen Gewinner der Wahlen: Gegenüber 2003 legen sie um 2,9 Prozent zu auf 10,3 Prozent. Allerdings verzeichnete die Partei erstmals in diesem Jahr einen Rückgang - um 0,6 Prozent gegenüber Juni.
Nachgelassen haben laut der neuesten Umfrage auch die Mitteparteien FDP und CVP. Die Freisinnigen verloren gegenüber Juni 0,8 Prozent und kommen noch auf einen Wähleranteil von 16,2 Prozent. Gegenüber 2003 ist das ein Verlust von 1,1 Prozent. Laut gfs.bern bekundet die FDP wie die SP Mobilisierungsprobleme.
Grünliberale auf Überholspur
Die CVP kommt auf 14,6 Prozent. Das sind zwar 0,4 Prozent weniger als im Juni, aber 0,2 Prozent mehr als vor vier Jahren. gfs.bern bescheinigt der Partei denn auch eine stabile Situation in ihrer Wählerschaft.
Auf der Überholspur sind die Grünliberalen, die kürzlich die Gründung einer nationalen Partei bekannt gaben. Sie legen weiter zu und kommen auf 1,8 Prozent Wähleranteil. Damit wären sie gleichauf mit der Evangelischen Volkspartei (EVP) und noch vor der Liberalen Partei, die nur auf 1,5 Prozent kommt.
Ihre Wähler scheinen sich die Grünliberalen nicht nur bei den Grünen zu holen. Gemäss gfs.bern verliert die SP an die neue Partei- und auch Wechselwähler aus der FDP liebäugelten mit den Grünliberalen.
Grosse Klimasorgen
Parallel zum Erstarken der Grünen und Grünliberalen entwickelt sich die Sorgenskala der Schweizerinnen und Schweizer: Erstmals in diesem Jahr ist das Thema «Umwelt/Klima» für die Befragten das dringendste Problem, das gelöst werden müsse. Wie schon im Juni setzten es 25 Prozent auf Platz eins.
Das Thema «Ausländer/Integration» hingegen rutschte mit 24 Prozent (Juni: 27 Prozent) auf Rang zwei. Weiterhin an dritter Stelle steht das Thema «soziale Sicherheit». Ebenfalls zu den «Top Ten» zählt die Familienpolitik, die gfs.bern im aktuellen Barometer näher untersuchte.
Dabei sagten 89 Prozent der Befragten, familienfreundlichere Arbeitsbedingungen wie Teilzeit- oder Gleitzeitstellen seien nötig. 71 Prozent sind für mehr Kinderkrippen. Geteilt sind die Meinungen hingegen bei der Frage, wer die Kinder betreuen soll: 45 Prozent sind der Meinung, das sei Sache der Frau, 53 Prozent teilen diese Aussagen nicht. (Tages-Anzeiger - Montag, 6. August 2007 - ret/sda/ap)
